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Montag, 9. Dezember 2013

REZENSION: "Und nie sollst du vergessen sein" von Jörg Böhm

Nöggenschwiel.....Nach 15 Jahren kehrt Emma für einen Kurzurlaub zurück in den beschaulichen kleinen Ort im Schwarzwald, in dem jedes Jahr mit viel Tamtam die Rosenkönigin gekührt wird!
Auch ihrer Freundin Charlotte wurde damals diese Ehre zuteil, und Emma freut sich auf ein Wiedersehen!
Doch sie muss erfahren, dass Charlotte seit genau diesem Tag spurlos verschwunden ist.
Angetrieben sowohl von ihrem persönlichen Interesse am Schicksal ihrer Freundin als auch von ihrer beruflichen Neugier als Kriminalkommissarin, hört sich Emma bei den Bewohnern im Rosendorf um...
Ist Charlotte etwas zugestoßen? Oder ist sie womöglich nur ausgebrochen aus ihrem allzu behüteten Leben?

Als der Ort von gleich zwei Morden erschüttert wird, hegt Emma die schlimmsten Befürchtungen....

Mit "Und nie sollst du vergessen sein" legt  Jörg Böhm seinen Debütroman vor, einen Regionalkrimi, der in einem idyllischen Ort im Schwarzwald spielt.
Eine Gegend, die dem Autor nicht unbekannt ist, das wird dem Leser bei der Lektüre schnell klar!
Denn in den Beschreibungen von Natur und Atmosphäre liegt eine ganz große Stärke.
Hier beweist der Autor eine enorme Sensibilität, fängt uns Leser mit einer wunderschönen, gewaltigen Sprache, einer Prosa ein, die uns das Geschriebene fühlen und regelrecht nachempfinden lässt.
So konnte ich den Ort vor mir sehen, den Nebel spüren, etwas Drohendes wahrnehmen.....
Unglaublich.

Wenn es allerdings um die Interpretationen von Gefühlen oder Gedanken der Akteure geht, hätte ich mir an einigen Passagen eher etwas weniger von Allem gewünscht.
Da hätte vielleicht manchmal lieber nur eine Andeutung gereicht, um dem Leser mehr Raum für eigene Gedanken und Schlussfolgerungen zu lassen...

Seine Protagonisten beschreibt Böhm für meinen Geschmack ausreichend, gerade so, dass man sich ein gutes Bild machen kann, aber sich nicht mit ausufernden Beschreibungen langweilt.
Lediglich die Figur der Emma Hansen bleibt noch ausbaufähig.
Da es aber eine Fortsetzung mit der jungen Kommissarin geben wird, erhalten wir sicher die Chance, sie besser kennen zu lernen.

Die Geschichte an sich ist gut konstruiert und wirklich spannend.
Fast bis zum Schluss bleibt der Leser im Unklaren, nachdem er mehrfach geschickt in die Irre geführt wurde...
Etwas unglaubwürdig bleibt jedoch, dass die Ereignisse um das Verschwinden der jungen Frau vor immerhin 15 Jahren bei den Bewohnern Nöggenschwiels noch so präsent sind und Emotionen hervorrufen, als wäre es erst gestern gewesen...

Trotzdem hat mich Böhms Erstling sehr gut unterhalten, so gut, dass ich den Roman fast in einem Rutsch gelesen habe.
Unbedingt möchte ich auch den zweiten Teil um Emma Hansen "Und die Schuld trägt deinen Namen"
lesen, welcher am 03.Februar 2014 (lt. Homepage des Autors) erscheinen wird.
Ich bin gespannt....nicht nur darauf, wie es wohl mit Emma weitergeht.
Nein, auch die Weiterentwicklung von Jörg Böhm interessiert mich, denn ich bin überzeugt, dass uns aus seiner Feder noch großartige Geschichten erwarten werden ...

Kurz und knapp:
Bildgewaltige und tolle Geschichte mit "Luft nach oben"

 

Aenna

Montag, 3. Dezember 2012

REZENSION: "Wer im Trüben fischt" von Mechthild Lanfermann

Die Rundfunkjournalistin Emma Vonderwehr hat ihren ersten Arbeitstag bei einem Berliner Radiosender.
Als der amerikanische Professor Tom Rosenberg ermordet wird, sieht Emma ihre Chance, ihr Können unter Beweis zu stellen.

Auf eigene Faust sucht sie nach dem Täter.
Ihre Recherchen führen sie dabei in das nationalsozialistische Deutschland der Dreissiger Jahre, und gemeinsam mit Kriminalkommissar Edgar Blume deckt sie einen ungeheuren Skandal auf...
Doch wer könnte nach so vielen Jahren ein Interesse am Ableben des Gelehrten gehabt haben?
Zu spät erkennt Emma die Wahrheit und begibt sich selbst in große Gefahr!


"Wer im Trüben fischt" ist das vielversprechende literarische Debüt der Journalistin Mechthild Lanfermann.

Gleich zu Beginn wird der Leser mit einem äußerst spannenden Prolog geködert, den ich im Nachhinein jedoch als nicht ganz passend empfand...
Lanfermanns lockerer und anschaulicher Schreibstil macht es leicht, die Lektüre fortzusetzen.

Mit der Journalistin Emma und dem Kommissar Edgar Blume hat sie interessante Protagonisten geschaffen, die aber auf jeden Fall noch ausbaufähig sind und somit viel Spielraum für eine Fortsetzung bieten.

Nebenbei, geschickt in ihre Geschichte eingeflochten, macht die Autorin auf private Schicksale und gesellschaftliche Missstände aufmerksam, die es leider tausendfach auch in Deutschland gibt.
So steht die kleine Penelope für unzählige weitere Kinder drogenabhängiger Eltern, die den ganzen Tag auf sich allein gestellt sind und um die sich keiner kümmert...
Und dies ist nur einer von vielen  sozialkritischen Aspekten, die Lanfermann ihren Lesern mit viel Sensibilität nahe bringt, was ihrem Buch eine enorme Glaubwürdigkeit verleiht.

"Wer im Trüben fischt" ist mal ein Krimi der anderen, ganz besonderen Art.
Die Autorin hat hervorragend recherchiert und kommt vor allem ohne Blutvergießen und grausige Effekte aus.
Damit hebt sie sich wohltuend von der Masse ab, so dass man ihr gerne kleine Langatmigkeiten verzeiht.

Auch wenn die Hintergründe für mich teilweise verwirrend und nicht ganz einfach nachvollziehbar waren, ich die Geschichte als irgendwie nicht ganz "rund" empfand, hat mir Mechthild Lanfermanns Erstling  gut gefallen.

Die Idee, die dahinter steht, ist großartig, und ich glaube, dass von Frau Lanfermann noch einiges zu erwarten sein wird...
So freue ich mich dann auch auf die Fortsetzung "Wer ohne Liebe ist", die im Juli 2013 erscheinen wird und bin gespannt....

Kurz und knapp:
Intelligenter Krimi der besonderen Art...



Aenna                                       





Dienstag, 2. Oktober 2012

REZENSION: "Paganinis Fluch" von Lars Kepler

Eine junge Frau wird tot auf einem Boot gefunden - sie ist ertrunken!
Ein Politiker erhängt sich in seiner Wohnung, und ein Jugendlicher verbrennt qualvoll in einem alten Wohnwagen...

Zur gleichen Zeit sind die Menschenrechtlerin Penelope Fernandez und ihr Freund Björn auf der Flucht.
Sie rennen um ihr Leben...

Kommissar Joona Linna  sucht die Zusammenhänge zwischen den Vorfällen und deckt einen ungeheuren Skandal auf!


Normalerweise  bin ich kein Freund politischer Thriller, doch "Paganinis Fluch" aus der Feder des Schriftstellers Lars Kepler (hinter dem sich das Ehepaar Alexandra und Alexander Ahndoril verbirgt) hat mich eines Besseren belehrt.
Das schwedische Autorenduo, das nach "Der Hypnotiseur" hier sein zweites Buch präsentiert, versteht es, seine Leser zu fesseln und auch kompliziertere Vorgänge für jedermann interessant und plausibel darzustellen.
Dabei spricht Kepler ein brisantes und immer aktuelles Thema an, macht aufmerksam, setzt Gedankengänge bei seinen Lesern frei....
Trotzdem ich das Buch in mehreren Etappen gelesen habe, fand ich jederzeit ohne Probleme wieder in das Geschehen zurück.

Auch die Tatsache, dass ich Keplers Erstling mit den gleichen Akteuren nicht kenne und mir somit sein Protagonist Joona Linna nicht vertraut war, stellte kein Problem dar.
Kepler hat interessante Charaktere erfunden, die in einer von Anfang bis Ende spannenden und intelligenten Geschichte agieren, die sich zunehmend steigert bis zu einem rasanten und actiongeladenen Finale ...
Lediglich eine Szene (mit dem alternden Fernsehmoderator) hat mich doch eher befremdet, da sie für mein Empfinden nicht in das Geschehen passt und äußerst unglaubwürdig rüberkommt.

Die Figur des stillen, leicht geheimnisvollen, aber dennoch scharfsinnigen Hauptkommissars mit seinem augenscheinlich etwas komplizierten Liebesleben ist mit Sicherheit noch ausbaufähig und macht unbedingt Lust auf weitere Fälle mit Joona Linna...!

Und die Fans müssen nicht mehr lange warten...Bereits am 12. Oktober erscheint mit "Flammenkinder" der dritte Fall für den finnischstämmigen Kriminalisten!


                                                     Kurz und knapp: 
              Kurzweilige und spannende Unterhaltung mit Anspruch!


Aenna                                

Dienstag, 24. Januar 2012

REZENSION: "Die tote Schwester" von Stephan Brüggenthies

Der Kölner Polizist Zbigniew Meier ist verzweifelt...
Seine Freundin Lena wurde auf dem Flughafen nach ihrer gemeinsamen Rückkehr aus New York entführt.
Die Fahndung nach den Tätern läuft auf Hochtouren. Ist Lena nur das Zufallsopfer einer terroristischen Organisation, oder hat es jemand bewusst auf sie abgesehen?
Zbigniew muss sich fragen, wie gut er seine Freundin eigentlich kennt, als bekannt wird, dass sie auch politisch aktiv war...
Doch insgeheim vermutet er die Zusammenhänge mit ihrer Bekanntschaft aus New York.
Der pensionierte Polizist Samuel Weissberg bat ihn dort, nach seiner verschollenen und für tot erklärten Schwester Eva zu suchen.
Zbigniew lehnte dies ab...schließlich wird Eva bereits seit über 60 Jahren vermisst...
Lena dagegen war Feuer und Flamme. Und sie erhielt von Samuel einen mysteriösen Schlüssel....

"Die tote Schwester" ist bereits der zweite Roman mit Polizist Zbigniew Meier als Hauptfigur.
Für den 2009 erschienenen ersten Teil "Der geheimnislose Junge", erhielt der Autor Stephan Brüggenthies den Krimi-Publikumspreis des Deutschen Buchhandels und wurde für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert.
Diesen ersten Teil kenne ich (noch) nicht, bin also direkt mit Teil zwei eingestiegen, was mich aber nicht sonderlich beeinträchtigt hat.
Zwar wird hin und wieder Bezug zum ersten Buch genommen, dies fand ich aber nicht störend.

Brüggenthies schreibt locker, flüssig, manchmal blitzt auch ein Fünkchen Humor auf, so dass man sich beim Lesen ein Grinsen nicht verkneifen kann.
Sehr angenehm...

Protagonist Zbigniew, dessen Name erst einmal sehr gewöhnungsbedürftig ist, wird ausreichend charakterisiert, bleibt dem Leser aber immer noch ein bisschen fremd...
Trotzdem er uns oft an seinen Gedanken teilhaben lässt, kann man nicht in ihn hineinschauen, und vor allen Dingen in Hinsicht auf seine Beziehungen zu den Frauen in seinem Umfeld blieb er mir persönlich ein Rätsel.

"Die tote Schwester" ist eine Geschichte, die ich so nicht erwartet habe.
Es ist eine Geschichte, die ihre Anfänge in der Nazi-Zeit findet und bis in die heutige Zeit reicht, eine Geschichte, die nicht nur Krimi ist, sondern uns auch Geschichte vermittelt, uns klar macht, dass die Vergangenheit uns immer noch einholen kann.
Sie ist zuweilen verwirrend, absolut nicht vorhersehbar, aber letztendlich intelligent und gut recherchiert.
Und sie ist eindringlich, auf ihre Art, bleibt im Kopf, auch noch lange nach der letzten Seite...

Brüggenthies legt mit "Die tote Schwester" einen spannenden Krimi vor, der sich wohltuend von seinesgleichen abhebt.
Mal etwas ganz anderes eben.

Aenna                                 

Mittwoch, 28. Dezember 2011

REZENSION: "Ein Herzschlag bis zum Tod" von Sara J. Henry

Die Journalistin Troy sieht, wie ein kleiner Junge von einer Fähre ins Wasser geworfen wird. Beherzt springt sie hinterher und rettet das Kind vor dem Ertrinken.
Statt es der Polizei zu übergeben, nimmt sie es mit zu sich nach Hause, denn sie hat Angst, dass der nur französich sprechende Junge in die falschen Hände zurückgegeben wird.
Schließlich hat sie nicht gesehen, wer den kleinen Paul im See ertränken wollte...
Auf eigene Faust stellt sie Nachforschungen an.
Wer bringt es fertig, ein Kind zu ermorden und warum? Wem kann sie trauen? Stück für Stück erschließt sich Troy die Wahrheit, und sie gerät selbst in große Gefahr...

Die Amerikanerin Sara J. Henry stellt mit "Ein Herzschlag bis zum Tod" ihren ersten Roman vor, der auf dem Cover als "Thriller" deklariert wird.
Ich würde ihn als "Psychothriller" bezeichnen.
Geschickt spielt die Autorin mit den Nerven ihrer Leser und setzt eine enorme Spannung obendrauf, die während der ganzen Lektüre nicht abreißt.
Dabei kommt die Geschichte ohne viel Blutvergießen aus.

Ihre Protagonistin Troy erzählt die Geschichte in der "Ich-Form", wir erfahren sie also aus erster Hand. Auf diese Weise kommt uns Troy wunderbar nah, wir können ihre Emotionen mitempfinden und ihre Handlungen nachvollziehen.
Ebenfalls die sehr sensible Schilderung der immer enger werdenden Beziehung zwischen Troy und dem kleinen Paul tragen ein gutes Teil dazu bei.
Der Leser lernt aber auch eine Frau kennen, die allein durch ihren Humor und ihre Lebenseinstellung Sympathien weckt
Aber auch die Nebencharaktere sind liebevoll ausgedacht, sehr lebendig und lassen keine Fragen offen.

Natürlich darf auch die Liebe nicht zu kurz kommen, und das tut sie auch nicht. Meine anfänglichen Befürchtungen, dass sich dieser Teil der Handlung zu kitschig entwickeln könnte, erwiesen sich zum Glück als unbegründet.

Einmal angefangen, konnte ich "Ein Herzschlag bis zum Tod" nicht mehr aus der Hand legen und habe es somit in einem Rutsch gelesen.                  
Diese Geschichte, die Krimi, Liebe und Dramatik beinhaltet, hat mich derartig gefesselt, dass ich ständig dem Drang widerstehen musste, vorzublättern, um vorab Informationen zu erhaschen...  
Das Ende war für mich so nicht vorhersehbar und kam überraschend, hat mich aber nicht ganz hundertprozentig zufrieden gestellt...  

Auf jeden Fall ist Sara J. Henry eine Autorin, die ich im Auge behalten möchte.
Ihr Stil hat mir gut gefallen und ihre zukünftigen Bücher kommen auf meine Wunschliste...

Aenna                             

Montag, 31. Oktober 2011

REZENSION: "Im Auge des Feuers" von Jorun Thørring

Eigentlich ist Karl seit fast 40 Jahren tot, verbrannt bei dem großen Feuer im Jahr 1969,....doch nun steht er plötzlich bei seinem Bruder Johan vor der Tür!
Trotzdem löst sein Auftauchen keine Begeisterungsstürme aus, und wenig später findet man Karls Leiche. Und es soll nicht die Einzige bleiben in dem kleinen Städtchen Tromsø.
Für Kommissar Asrak Eira tun sich viele Fragen auf, und die Ermittlungen erweisen sich als schwierig...
Alles hat den Anschein, als ob die Ereignisse von heute mit dem Brand vor fast vier Jahrzehnten zusammenhängen.
Doch keiner will reden....

Die norwegische Schriftstellerin Jorun Thørring legt mit "Im Auge des Feuers" bereits ihren zweiten Krimi mit Ermittler Asrak Eira vor.
Den ersten Band "Glaspuppen" kenne ich noch nicht, doch ist mir Thørrings sympathischer Kommissar so ans Herz gewachsen, dass ich Lust habe, noch mehr von ihm zu lesen.

Dabei ist "Im Auge des Feuers" kein Krimi, bei dem man vor Spannung die Luft anhält.
Es dauert eine ganze Weile, bis der Leser sich an den eher nüchternen und ruhigen Stil der Autorin gewöhnt hat, bei dem er eher unvermittelt mit Mord und Totschlag konfrontiert wird.
Man muss auf jeder Seite auf Alles gefasst sein, und das macht hier die Spannung aus.

Hinzu kommt eine insgesamt gut konstruierte Geschichte, die über kleine Längen hinwegsehen lässt.
Zeitweilig hatte ich schon das Gefühl, dass Eira auf der Stelle tritt.
Aber vielleicht war ich auch deshalb so ungeduldig, weil ich wissen wollte, welches Geheimnis sich hinter dieser Geschichte verbirgt.
Auch über einen kleinen medizinischen Fauxpas bin ich gestolpert...

Jorun Thørring lässt ihre Leser unterschiedliche Spuren verfolgen, bringt immer wieder neue Verdächtige ins Spiel.
Den wahren Täter hatte ich schon ziemlich früh im Visier, muss aber eingestehen, dass es die Autorin geschafft hat, mich immer wieder zu verunsichern.
Letztendlich war die Auflösung für mich aber nicht hundertprozentig schlüssig.

Mit der Lektüre von "Im Auge des Feuers" ist gutes "Kopfkino" garantiert.
Wie schon bereits erwähnt, versteht es die Autorin hervorragend, dem Leser ihre Hauptcharaktere nahe zu bringen.
Die Einblicke in Asraks Privatleben mit den Sorgen um seinen halbwüchsigen Sohn Niillas, der seine erste Liebe erlebt, sowie die Beziehung zu der Psychologin Mona tragen dazu bei, dass sich der Leser ein gutes Bild machen kann.
Auch die Nebenpersonen werden sehr gut charakterisiert und haben ein klare Vorstellung in meinem Kopf erzeugt.

Die gegenseitige Anrede der Protagonisten des Buches war für mich eher gewöhnungsbedürftig.
Im Vorfeld wird von der Übersetzerin darauf hingewiesen, dass auf das in Norwegen übliche "Du" verzichtet wird, außer natürlich im vertraulichen Fall.

Die Ermittler reden sich jedoch mit "Du" und Nachnamen an, das hat mich persönlich schon irritiert.

Letztendlich kann ich sagen, dass mir "Im Auge des Feuers" trotz einiger kleiner Kritikpunkte gut gefallen hat, was hauptsächlich an Thørrings angenehmen, ausgeglichenen Schreibstil sowie der hervorragenden Darstellung sowohl der Schauplätze als auch ihrer Charaktere liegt.

Aenna                                

Mittwoch, 24. August 2011

REZENSION: "Öland" von Johan Theorin

Julias Leben hat seinen Sinn verloren, seit vor 20 Jahren ihr kleiner Sohn Jens in Ölands Nebel verschwand und nie mehr auftauchte.
Sein Schicksal blieb ungeklärt.
Nils Kant sei der Mörder, munkeln die ganz Alten.
Aber der Bösewicht der Insel ist schon seit vielen Jahren tot und wurde lange vor Jens' Verschwinden begraben...
Und nun bekommt Julia einen Anruf von Gerlof, ihrem alten Vater, der sie bittet, nach Hause zu kommen...
...denn nach nunmehr 20 Jahren ist eine kleine Sandale aufgetaucht!
Und sie gehörte seinem Enkel Jens....

Seit ich das erste Buch von Johan Theorin gelesen habe (Nebelsturm, 2.Bd. der Öland-Bücher) zählt der schwedische Autor zu meinen Favoriten!
Auch mit "Öland", dem ersten Teil, hat er mich wieder komplett begeistert, und es macht überhaupt nichts, die Bücher nicht der Reihe nach zu lesen...
Mit Hilfe von zwei Erzählsträngen führt er uns durch seinen Roman und erzählt uns dabei zwei Geschichten.
Eine davon spielt in der Vergangenheit. Wir lernen Nils Kant kennen und erfahren dessen Schicksal, aber immer nur in kleinen Rationen.
Theorin geht dabei sehr geschickt vor und verrät uns gerade mal soviel, wie es sich mit den Ereignissen der Gegenwart, die uns parallel dazu nahe gebracht werden, vereinbaren lässt.
Das erhöht auf enorme Weise die Spannung und ließ mich das Buch kaum aus der Hand legen, zumal mich auch dieser geniale Aufbau der Story sehr beeindruckt hat.

Ganz schnell hat es der Autor geschafft, mit seinem einzigartigen Erzählstil die Atmosphäre von Öland für "eingeweihte" Leser aufleben zu lassen, bzw. für seinen Erstleser neu zu erschaffen.
Ruhige, detaillierte Beschreibungen sowie auch immer eine klitzekleine Spur Unheimliches zeichnen Theorins Schreibweise aus.
Dazu kommen seine bildhaften Charaktere, die beim Leser schnell Gestalt annehmen.
Sie alle haben ihre eigene, kleine Geschichte...
Da ist Julia, die ihren Kummer mit Alkohol betäubt, oder der Polizist Lennart, der sein ganz eigenes Trauma zu bekämpfen hat...
Wie in den beiden Folgeromanen auch, spielt der betagte Seemann Gerlof eine tragende Rolle und begegnete mir wie ein alter Bekannter.

Liest man die Buchbeschreibung, kann man unter keinen Umständen erahnen, welche grandiose Geschichte sich daraus entwickelt.
Geradezu leise geschrieben, aber mit einem Ende, das man ungläubig zweimal liest....
Auch das zeichnet Johan Theorin aus.

Da im Zusammenhang mit seinen Büchern immer von einem "Jahreszeiten-Quartett" berichtet wird, ist anzunehmen, dass es einen vierten Band geben wird.
Diesen erwarte ich mit Spannung, und von mir aus darf es auch noch einen fünften und sechsten geben.....

Aenna                                     



Interview mit dem Autor im "Revolverblatt"







Montag, 8. August 2011

REZENSION: "Todesbrut" von Klaus-Peter Wolf

Die 'Ostfriesland III' steuert auf Borkum zu, vollbesetzt mit Menschen, die sich auf ihren Urlaub freuen.
Doch man lässt sie nicht an Land...
Auch nach Emden können sie nicht zurück, denn die Stadt wird mittlerweile hermetisch abgeriegelt.
Ein tödliches Virus ist in Umlauf, und jeder versucht sich zu schützen.
Es verbreitet sich schnell, und überall bricht Hysterie aus, auch auf der Fähre...
Unvorstellbare Dinge spielen sich ab, fernab jedes menschlichen Handelns...

In schnellen Szenenwechseln führt uns Klaus-Peter Wolf durch sein spannendes Buch.
Wir erleben die Geschichte abwechselnd auf der Fähre, auf dem Festland und auf Borkum mit den jeweiligen Charakteren mit. Diese werden von Wolf hervorragend beschrieben, so dass es dem Leser leichtfällt, sich in die Situationen hinein zu versetzen.
Da ist zum Beispiel Benjo, dessen Freundin ihn auf Borkum zu einem Liebesurlaub erwartet...
Oder Margit Rose, die ein Alkoholproblem hatte und auf dem Inselurlaub ihre Familie zurückgewinnen will.
Da ist die Sängerin Bettina, die in Emden plötzlich allein mit einem todkranken, fremden Kind steht...
Und Ubbo Jansen, dessen Hühnerfarm angegriffen wird...

Der Autor Klaus-Peter Wolf beschreibt in seinem Buch Todesbrut einen Fall von Pandemie, wie er tatsächlich passieren könnte. Er entwickelt ein Szenario, das den Leser erschreckt, muss er doch erkennen, dass es so abwegig gar nicht ist...
Konfrontiert mit dem todbringenden Virus, bricht die Menschheit in Panik aus. Jeder versucht, sein Leben zu verteidigen, dabei verwischen die Grenzen zwischen Recht und Unrecht.
Es gibt keine Regeln mehr, die Hemmschwelle sinkt auf ein Minimum.
Die Wenigsten behalten einen klaren Kopf...
Der Autor deckt in seiner Geschichte die Abgründe der menschlichen Seele auf.
Automatisch stellt sich die Frage, wie man sich selbst in einer solchen Situation verhalten würde.
Selbstverständlich nicht so, wie im Buch beschrieben! WIRKLICH NICHT???
Wie tickt ein Mensch in solch einer Ausnahmesituation?
Wie schnell lässt er sich zu unmenschlichem Verhalten und Gewalt verleiten?

Klaus-Peter Wolf bietet mit seinem Buch viel Stoff zum Nachdenken.
Er behandelt ein Thema, das man eigentlich weit von sich schieben möchte.
Nun sieht man sich als Leser unverblümt damit konfrontiert und zur Auseinandersetzung gezwungen.
Unter Umständen ein erster Weg, um die im Buch beschriebenen Situationen im Ernstfall zu vermeiden!

"Todesbrut" ist ein anspruchsvolles und spannendes Buch, das ich nur empfehlen kann!

Aenna                                                                          

Donnerstag, 9. Juni 2011

Neuzugänge :o))

Ein paar neue Bücher, die ich bereits im letzten Monat bekommen habe, möchte ich Euch hier noch zeigen!


Durchweg spannende Literatur!
Die Bücher von Tess Gerritsen kenne ich bis zum hier vorliegenden Band "Blutmale" und habe sie alle verschlungen.
Peter James ist mir ebenfalls bekannt, sein Buch "Stirb ewig", in dem der Protagonist lebendig begraben wird, kennen die Thrillerfans unter Euch bestimmt auch. An "So gut wie tot" kam ich nicht vorbei....
Von Sharon Bolton habe ich noch nichts gelesen, aber nur Gutes gehört. Ihr erstes Buch habe ich mir ja erst kürzlich gekauft, nun mussten die anderen beiden natürlich auch her...:o))
Auf  "Bluternte" und "Todesopfer" bin ich ganz besonders gespannt....

Aber jetzt ziehe ich mir erst einmal die Laufschuhe an, noch ist es nicht zu warm, und ein bisschen Ausgleich zum Sitzen/Lesen muss sein....*ggg*

Aenna

Mittwoch, 23. März 2011

Neu im Regal

Wie ja bereits ausführlich erwähnt, verweilte ich gestern einige Stunden in Hannovers (größter?) Buchhandlung.
Niemand wird glauben, dass ich dort ohne Beute wieder rausgegangen bin, oder?



"Leise stirbst Du nie" von Daniel Annechino. Schon beim Lesen des Prologs gefror mir das Blut in den Adern....Außerdem hat dieses Buch ein Lesebändchen! Wie geil toll ist das denn??? (Natürlich sieht man es auf meinem grottigen Foto mal wieder nicht...)





"Die Vermissten"  von Jane Casey. Ein interessanter Zufallsfund...






"So unselig schön" von Inge Löhnig. Das einzige Buch, das ich auch geplant hatte zu kaufen :o)

"Schlangenhaus" von Sharon J. Bolton, der Autorin des aktuellen Romans "Bluternte".

Für nähere Infos genügt wie immer ein KLICK auf die Links...:o))

Ich bin sehr zufrieden mit meinen Käufen. Ich mußte aus einem großen Stapel toller Bücher selektieren (jawohl) und diese Vier haben es in die Endrunde geschafft und dürfen meinen SuB erweitern *ggg*
Aenna

Mittwoch, 12. Januar 2011

Rezension: "Blutstein" von Johan Theorin

Per Mörner zieht in sein Ferienhaus auf Öland, um dort das Frühjahr und den Sommer zu verbringen. Doch sein Alltag ist nicht sorgenfrei...
Da ist zum einen seine 13-jährige Tochter Nilla, die dem geschiedenen Vater von Zwillingen großen Kummer bereitet.
Zum anderen muss er sich um seinen Vater Jerry kümmern, mit dem er aufgrund dessen unrühmlicher beruflicher Vergangenheit kaum Kontakt pflegt. Doch nun wird Jerry in mysteriöse Unfälle verwickelt, Menschen sterben, und auch er selbst wird vor den Augen seines Sohnes Opfer eines Mordanschlages!
Trost findet Per bei seiner Nachbarin Vendela, die an den alten Legenden von Elfen und Trollen festhält....


Nach "Nebelsturm" habe ich mich sehr auf Johan Theorins Folgeroman "Blutstein" gefreut. Wieder ist dem Autor ein ganz besonderer, eigener Krimi gelungen.
Dies zeichnete sich allerdings zu Beginn der Lektüre noch gar nicht ab. Nach einem rasanten und superspannenden Prolog "plätscherte" die Handlung so dahin, der Gruselfaktor von "Nebelsturm" blieb ganz aus, und ich war enttäuscht. Trotzdem las ich an einem Tag mehr als 300 Seiten....
Denn Theorin vermag allein durch seinen Stil zu fesseln. Durch seine Erzählweise tauchte ich vollends in das Leben Per Mörners ein und teilte mit ihm wie ein stummer Beobachter Gedanken, Sorgen und Angst. Ich stand mitten in seinem Leben, in dem es kein Hauptthema gibt, keinen Leitfaden, sondern viele kleine und große Fragen...
Zwischendurch begleitete ich Vendela, sah sie aufwachsen, vollzog ihre Gefühle nach und ließ mich in die faszinierenden Geheimnisse ihrer Kindheit einweihen.
Und ich traf Gerlof wieder, den alten Seemann, den ich schon in "Nebelsturm" kennen lernte, und der auch diesmal wie eine unumstößliche Festung seinen Platz in der Geschichte innehat.


Mich hielt "Blutstein" wie in einem Sog gefangen, obwohl, wie auch im Vorgängerroman, die Krimihandlung an sich gar nicht so präsent ist. Wieder kommt die Auflösung erst mit den letzten Seiten und in großem Tempo, wieder spannungsreich und (für mich) nicht vorhersehbar. 
Mir hat das Buch, nach zugegeben anfänglichem Befremden, gut gefallen.
Für diejenigen, die Johan Theorins Stil mögen oder sich damit anfreunden können, ist "Blutstein" unbedingt empfehlenswert. 


                                                            
Aenna