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Donnerstag, 28. Februar 2013

REZENSION: "Wir sind doch Schwestern" von Anne Gesthuysen

Gertrud, Paula und Katty sind Schwestern und zusammen 282 Jahre alt.
Die drei treffen sich auf dem Tellemannshof, auf dem die Jüngste von ihnen, die 84jährige Katty, seit ihrer Jugend lebt.
Ein großes Fest steht bevor, denn Gertrud wird 100 Jahre alt, und das soll gebührend gefeiert werden.
Aber nicht nur die Vorbereitungen zu Gertruds Ehrentag beschäftigen die betagten Damen, auch ihre Erinnerungen an vergangene Zeiten werden wieder wach, was nicht zuletzt am Tellemannshof und seinem letzten Besitzer, Heinrich Hegmann liegt.
Erinnerungen, die nicht immer angenehm sind an Ereignisse, die noch immer schmerzen und die auch heute noch die eine oder andere Frage unbeantwortet lassen...

Anne Gesthuysen schreibt in ihrem ersten Roman "Wir sind doch Schwestern" die Geschichte ihrer drei Großtanten auf.
Sie beruft sich dabei auf alte, sich in Familienbesitz befindende Dokumente, auf mündliche Überlieferungen aus der Verwandschaft sowie auf ihre eigenen Erinnerungen.
Herausgekommen ist ein mitreißendes Werk, welches das lange Leben von drei Frauen widerspiegelt, die neben zwei Kriegen noch weitere, ganz eigene Katastrophen erlebt haben.

Geschickt verknüpft die Autorin Gegenwart und Vergangenheit.
So erleben wir die betagten Damen bei den Vorbereitungen zum Geburtstagsfest und können oft ein Schmunzeln nicht verhindern angesichts ihrer humorvoll genommenen Wehwehchen und Zipperlein, mit denen man sich im Alter so herumzuschlagen hat.
Die Methoden zur Bekämpfung derselbigen erlauben dagegen auch ein lautes Lachen...

Wir tauchen in die Gedankenwelt von Katty, Paula und Gertrud ein und lernen sie ebenfalls als junge Frauen kennen, die sich, entgegen der damaligen Zeit, bilden und auch eine eigene Meinung vertreten durften.
Jede für sich erleben wir als eine eine starke Persönlichkeit, die sich ihrem jeweiligen Schicksal zu stellen vermochte.
Und jede für sich hat mich mit ihrer Geschichte ganz stark beeindruckt, auch wenn das eine oder andere Detail fiktiv sein mag.
Und natürlich kreuzen sich auch die Wege der Schwestern im Lauf ihres Lebens, und hier wird dem Leser sehr stark und wohltuend deren gegenseitige Liebe und ihr Zusammenhalt bewusst - auch, wenn längst nicht jede alles über die anderen beiden weiß....

Anne Gesthuysen versteht es hervorragend, die damaligen Zeiten, wie sie eben waren, darzustellen, so dass ich beim Lesen die Bilder in schwarz-weiß vor Augen hatte.
Mit ganz viel Wärme bringt uns die Autorin ihre Protagonistinnen so nahe, dass man den Wunsch verspürt, diese persönlich kennen zu lernen.

Sicherlich ist es sehr schwierig, einen Roman über die eigene Verwandtschaft zu schreiben, erst recht, wenn es "delikat" wird.
Anne Gesthuysen meistert diese Schwierigkeit umsichtig und mit viel Respekt.
Der Autorin ist somit ein hervorragender Erstling gelungen, dessen ganz persönliche Note in jeder Zeile spürbar ist...


Kurz und knapp:
Warmherzig erzählte, faszinierende Familiengeschichte!


Aenna                               

                      

Sonntag, 24. April 2011

Rezension: "Die Sopranistin" von Jörg Thadeusz

Im Theater des Westens in Berlin haben sich alle, die bei Film und Fernsehen Rang und Namen haben, zur alljährlichen "Bruno"-Verleihung versammelt.
Plötzlich detoniert eine Bombe, drei Menschen sterben, Hunderte werden schwer verletzt...
Die Polizei sucht mit Hochdruck die Verantwortlichen für dieses Attentat.

Georg, der seit Jahren in den USA ein Friseurgeschäft betreibt und auf größerem Fuß lebt, als er sich eigentlich leisten kann, kehrt zur Beerdigung seines Onkels in ein hysterisches Deutschland zurück.
Verschärfte Polizei-Kontrollen, gehäufte Berichterstattung in den Medien - das Land ist in Aufruhr.
Und da ist auch noch das Päckchen, das ihm seine Reisebekanntschaft Sofia gegeben hat und das er ihrer Oma mitnehmen soll. Ein Gefallen, den Georg der schönen Sängerin gerne tun will...
Gut, dass er nicht weiß, dass die Sopranistin auch im Visier des CIA steht...

"Die Sopranistin" von Jörg Thadeusz ist ein Buch, von dem der Leser erst einmal meint, förmlich erschlagen zu werden.
Es wartet mit einer großen Zahl an Charakteren auf, die differenziert werden wollen, was zunächst unmöglich scheint...und wohl auch wäre, wenn sich das Buch in Kapitel teilen würde, die aufeinander aufbauten. Tut es aber nicht.
Stattdessen erleben wir schnelle Szenenwechsel, wie im Film. Dabei liest sich jede Episode flüssig und unterhält mit zum Teil sehr witzigen Formulierungen.
Die Protagonisten bleiben eher oberflächlich, was in Anbetracht ihrer Vielzahl auch dankenswert ist. Stattdessen weist der Autor ihnen einprägsame Merkmale zu, die dem Leser eine Unterscheidung ermöglichen (z. B. der Polizist, der sein neues Fahrrad noch nicht ausprobiert hat, der FBI - Mann mit dem hässlichen Gesicht, der LKA-Beamte, der Ringelnatz zitiert u.s.w.)
Nur wenige Hauptcharaktere werden mit kurzen Anekdoten aus dem Privatleben etwas näher beleuchtet.

Auch die Handlung bleibt eher oberflächlich, wer einen bis ins kleinste Detail ausgefeilten Krimi erwartet, wird enttäuscht. 
"Die Sopranistin" umreißt eher ein kriminelles Geschehen, wie es in Deutschland passieren könnte und zeigt deutlich den Umgang der Verantwortlichen damit vor der Öffentlichkeit, z.B. durch wage Berichterstattung und ausflüchtende, nichtssagende Politiker-Statements.
Jörg Thadeusz sagt, wie es ist, nennt die Dinge, auch abseits der Attentat-Diskussion, beim Namen und bedient sich dabei unterschiedlicher Sichtweisen. Da sind zum einen die Demonstranten, die von der Polizei geprügelt werden. Zum anderen zeigt er uns den Polizisten, der trotz vieler und langer Dienste wenig verdient und sich selbst als "Arsch der Nation" bezeichnet.

Nachdem ich mich an den Stil des Buches gewöhnt hatte, hat es mir doch gefallen.
Und das liegt ganz klar an der genialen Fähigkeit des Autors, mit Worten umzugehen. Der Witz in seinen Dialogen, die Situationskomik an manchen Stellen, hat mich oft zum Lachen gebracht. Und das, obwohl ein ernstes Thema behandelt wird. 
Witzig fand ich auch, dass Persönlichkeiten des realen Lebens Erwähnung finden, was dem Leser das Gefühl  vermittelt, einen aktuellen Fall zu verfolgen.
Dieses Buch ist sicherlich anders.... aber ich mochte es!


                                (knappe) 
Aenna






Mittwoch, 20. April 2011

Neuzugang

Bereits gestern kam dieses Buch, das ich bei Lovelybooks zur Teilnahme einer Testleserunde gewonnen habe!

"Die Sopranistin" von Jörg Thadeusz weckte schon mein Interesse, als der Autor sein Buch in einer Talk-Show im NDR vorstellte.
Als es die Chance gab, es bei Lovelybooks zu gewinnen, habe ich natürlich mitgemacht und Glück gehabt!
Ich freue mich total, zumal bei dieser Testleserunde das "Mississippi"-Update (eine Neuheit bei Lovelybooks) ausgetestet wird.

So, nun geh ich schlafen, morgen gibt es die Rezension zu "Happy Now?" (Jaja, ich kann auch schnell...:o) ) und dann stürze ich mich auf  "Die Sopranistin"...
Aenna